Vom Einzelunternehmen in die GmbH: Wie Franz seinen Handwerksbetrieb erfolgreich an seine Söhne übergeben hat
Wie ein Handwerker seinen Betrieb steueroptimiert in eine GmbH umwandelte und schrittweise an seine zwei Söhne übergab. Eine Erfolgsgeschichte aus der Praxis.
Franz hatte sein Leben dem Handwerk gewidmet. Jahrzehntelang führte er seinen Betrieb als Einzelunternehmer – mit allem, was dazugehört: dem Stolz auf gute Arbeit, aber auch der alleinigen Verantwortung für Auftragslage, Mitarbeiter:innen und das Finanzielle. Als seine Söhne anfingen, im Betrieb mitzuarbeiten, änderte sich vieles. Zum Guten – aber auch auf eine Art, die ohne vorausschauende Planung teuer hätte werden können.
Diese Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn man rechtzeitig plant:
Der Erfolg wurde zum steuerlichen Problem
Mit den Söhnen kamen neue Energie, neue Aufträge und neue Mitarbeiter:innen in den Betrieb. Der Gewinn wuchs spürbar – was eigentlich eine gute Nachricht ist. Nur: Im Einzelunternehmen wird der gesamte Gewinn dem Unternehmer persönlich als Einkommen zugerechnet. Das bedeutet: Einkommensteuer, und zwar im Spitzensteuersatz bis zu 50 Prozent.
Wäre nichts unternommen worden, hätte Franz auf einen Schlag eine sehr hohe Steuernachzahlung erwartet – für Gewinne, die eigentlich im Betrieb bleiben und weiter investiert werden sollten.
Weil wir die Entwicklung des Betriebs gemeinsam mit Franz im Blick hatten, war diese Steuernachzahlung keine Überraschung. Wir haben rechtzeitig gehandelt.
Die Umgründung: Vom Einzelunternehmen in die GmbH
Der entscheidende Schritt war die Umwandlung des Einzelunternehmens in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung – kurz GmbH. Eine solche Umgründung, also die rechtliche Umwandlung einer Unternehmensform in eine andere, ist in Österreich durch das Umgründungssteuergesetz geregelt und kann unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich neutral und bis zu neun Monate rückwirkend gestaltet werden.
Was das konkret bedeutete: Anstatt bis zu 50 Prozent Einkommensteuer auf den Gewinn zahlte Franz nun 23 Prozent Körperschaftsteuer – das ist jene Steuer, die eine GmbH auf ihren Gewinn entrichtet. Der Unterschied ist erheblich. Der Gewinn, der im Betrieb blieb und nicht ausgeschüttet wurde, war damit zu einem deutlich größeren Teil für Reinvestitionen verfügbar. Das Geld arbeitete weiter im Unternehmen, statt beim Finanzamt zu landen.
Ehrlich gesagt ist das einer der Momente, in denen vorausschauende Steuerplanung ihren Wert am klarsten zeigt.
Schrittweise Übergabe: Anteile schenken, Verantwortung wachsen lassen
Die GmbH brachte Franz noch einen weiteren Vorteil: Flexibilität bei der Übergabe. Im Einzelunternehmen gibt es einen Inhaber. In einer GmbH gibt es Gesellschaftsanteile – und die lassen sich übertragen, schenken oder stufenweise weitergeben.
Franz nutzte genau das. In einem ersten Schritt schenkte er seinen Söhnen kleinere Anteile an der GmbH und ermöglichte ihnen gleichzeitig die gemeinsame Geschäftsführung. So konnten sie schrittweise in die Unternehmerrolle hineinwachsen – mit echter Verantwortung, aber noch mit dem Vater an ihrer Seite. Das war in diesem Fall von allen Beteiligten auch so gewünscht und vereinbart.
In einem zweiten Schritt folgte eine weitere Schenkung von Anteilen. Danach hielten Franz und seine beiden Söhne je ein Drittel der GmbH-Anteile. Alle drei gleichberechtigt. Eine klare Struktur, die intern und nach außen Orientierung gibt.
Als schließlich der richtige Zeitpunkt gekommen war, zog sich Franz aus der Geschäftsführung zurück. Die Söhne übernahmen die operative Leitung vollständig. Franz blieb als Gesellschafter beteiligt – aber den Alltag des Betriebs verantworten nun seine Söhne. Nach ein paar Jahren schenkte Franz auch noch seinen letzten Anteil an seine Söhne.
Was diese Geschichte zeigt
Eine Betriebsübergabe ist selten ein einzelnes Ereignis. Meistens ist sie ein Prozess – über mehrere Jahre, mit verschiedenen Schritten, der gleichzeitig steuerliche, rechtliche und ganz menschliche Dimensionen hat. Franz und seine Familie haben diesen Prozess nicht dem Zufall überlassen.
Drei Dinge haben in diesem Fall den Unterschied gemacht:
- Früh beginnen: Die Planung startete, bevor die Steuerlast zu einem akuten Problem wurde. Wer erst handelt, wenn die Nachzahlung bereits feststeht, hat deutlich weniger Spielraum.
- Die richtige Rechtsform wählen: Die GmbH ermöglichte sowohl die steuerliche Optimierung als auch die flexible Anteilsübertragung an die nächste Generation. Beides wäre im Einzelunternehmen so nicht möglich gewesen.
- Schrittweise vorgehen: Die Söhne übernahmen Verantwortung in kleinen Portionen. Das schützt den Betrieb, gibt den Nachfolgern Zeit zum Reifen und macht die Übergabe für alle Beteiligten leichter.
Jede Unternehmenssituation ist anders. Was für Franz und seine Söhne funktioniert hat, ist nicht automatisch die richtige Lösung für jeden anderen Betrieb. Aber das Grundprinzip gilt allgemein: Wer die Nachfolge rechtzeitig angeht, hat die meisten Optionen.
Sie denken auch über eine Übergabe nach?
Ob Sie Ihren Betrieb an Familienmitglieder, Mitarbeiter:innen oder externe Nachfolger:innen weitergeben möchten – wir begleiten Sie durch den gesamten Prozess. Von der ersten Überlegung über die steuerlich optimale Gestaltung bis zur abgeschlossenen Übergabe. Sprechen Sie uns einfach an: office@holzinger.tax oder telefonisch unter +43 5 9015. Wir beraten Sie gerne!
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen nach österreichischer Rechtslage (Stand 2026) und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung. Für Ihre konkrete Situation beraten wir Sie gerne persönlich.